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Sonntag, 23. Dezember 2012

(6) Geschichtlicher Abriss der Pferdezucht (Ostpreußens) - 20. Jahrhundert


Hauptbeschälerstall in Trakehnen

 

20. Jahrhundert


1900: In Celle beginnt der Hengst "Nelusko", Sohn des Ostpreußen Neckar, seine Gestütslaufbahn.

1900: Napoleon III. vollendet in Frankreich den Wiederaufbau der Gestütsanstalten mit der Einrichtung von 22 neuen Hengstdepots.

1900 - 1905: Das General Stud Book meldet einen Export von 1.514 Hengsten und 2.038 Stuten.

1901: Der zweite Band des Trakehner Stutbuchs erscheint.

Auf dem Pferdemarkt in Wehlau werden zu dieser Zeit 20.000 Pferde im Jahr geschätzt.

1903: "Von Oettingen" kauft den berühmten "Perfectionist xx" in England, Brauner, geb. 1899, als Hauptbeschäler in Trakehnen von 1904 - 1906.

1903: Aus Russland wird überliefert, dass dort 6 staatliche Hauptgestüte und 30 Landgestüte bestehen. Zudem gibt es 4000 Privatgestüte, darunter 1500 der Traberrasse.

1904 - 1906: "Perfectionist xx" bringt auf Anhieb drei Hauptbeschäler hervor: 1904 "Tempelhüter", 1905 "Irrlehrer" und 1906 "Jagdheld".

1905: "Dark Ronald xx", der bisher erfolgreichste Vollblutvererber in Seutschland, wird in England geboren. Nach Ankauf für 500.000 Mark bezog der Beschäler 1914 eine Box in Graditz (bis 1927).

1906: Das von Landstallmeister "von Oettingen" 1897 begonnene, umfassende Gebäude- und Gartenbauprogramm in Trakehnen wird abgeschlossen. Dieses Bauprogramm weist einen Kostenaufwand von 1,5 Millionen Mark aus. Unter vielem Anderen sind neue Wohnungen für 1.350 Menschen entstanden.

1907: Nach Abschaffung der Hengst-Prüfungsrennen in Insterburg (1890-1902) setzt "von Oettingen" auf vielseitige Leistungserprobung. Es wird eine eigene Meute für Trakehnen angeschafft.

1907: 998 Warmbluthengste decken in Ostpreußen 49.631 Stuten.

1907: Der Erfinder des modernen Springstils - Frederico Caprilli - stirbt.

1908: Aus Frankreich wird der Anglo-Araber "Nana Sahib x", Schimmel, geb. 1900, eingeführt, als Hauptbeschäler tätig in Trakehnen bis 1922.

1909: Der dritte Band des Trakehner Stutbuchs erscheint.

1909: Allenstein wird Sitz eines neuen Regierungs-Bezirkes.

1910: Equipagen beherrschen das Bild des Nahverkehrs noch wie eh und je.

1911: Erstes großes Querfeldeinrennen in Trakehnen.

1912: "Kurt Graf von Sponeck", Schwiegersohn des als Oberlandstallmeister nach Berlin gehenden "von Oettingen", übernimmt die Leitung in Trakehnen (bis 1922).

1912: Die ersten plympischen Reiterspiele der Neuzeit finden in Stockholm statt.

1912: Der große Vererber "Alderman I" wird in Celle aufgestellt. Seine Mutter ist die Tochter des Ostpreußen "Gessler".

1912: Der Regierungs-Bezirk Gumbinnen und Teile des Regierungs-Bezirks Königsberg werden zu Reinzuchtgebieten für die Warmblutzucht erklärt.

1914: Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Zuchtbestände Trakehnens fliehen im Juli und August ins Innere des Reiches. Extrazüge rollen dafür ab Stallupönen und Gumbinnen.

1915: Gegen Ende des Jahres herrscht große Zerstörung in Trakehnen. Ein Teil der Gestütspferde kann jedoch nach Trakehnen zhurückkehren. Erst 1919 treffen die letzten Teile aus Schlesien ein.

1916: Eine erste Ausgabe des Stutbuchs für schwere Arbeitspferde erscheint. Die Zucht des Kaltblüters erhält zu dieser Zeit viel Auftrieb.

1916: "Tempelhüter", Dunkelbrauner, geb. 1904 in Trakehnen, wird als Hauptbeschäler nach Trakehnen geholt, nachdem er seit 1908 als Landbeschäler in Braunsberg aufgestellt war. Er wirkt bis zu seinem Lebensende als Hauptbeschäler in Trakehnen, wo er 1933 hochberühmt stirbt.

1914 - 1918: Ostpreußen verliert im Ersten Weltkrieg 135.000 Pferde, darunter 25.000 Zuchtstuten und somit 57 % der eingetragenen Bestände. 1918 werden als Ausgleich 4.767 Stuten aus Heeresbeständen für die Zucht freigegeben.

1918: Nach Ende des Krieges scheinen Reit- und Heeresremonten nicht mehr gebraucht zu werden. Die Landwirtschaft fordert ein stärkeres Pferd mit mehr Masse.

1920: Der Rennsport fängt sich recht schnell wieder. "Herold xx" wird als Derby-Sieger in Hamburg gefeiert. Gustav Rau begründet die Ländlichen Reit- und Fahrvereine und forciert den Reit- und Turniersport.

1920: Die Reichswehr entsteht. Es werden wieder vermehrt Remonten gebraucht.

1920: Hannover richtet eine staatliche Hengstaufzucht in Hunnesrück bei Einbeck ein.

1920: Die staatliche Vollblutzucht zieht um nach Altefeld. In Graditz verbleibt die Halbblutzucht.

1920: Von 376 Gebäuden in Trakehnen müssen 83 völlig neu wiederaufgebaut werden, darunter auch der Speicher.

1921: Der Anglonormanne "Floral" wird Hauptbeschäler in Trakehnen. Er wird jedoch vom Stutbuch nicht anerkannt und 1923 wieder ausrangiert.

1921: Zu den Hauptbeschälern dieser Epoche gehört der weltbekannte "Cancara", Schimmel, geb. 1917 in Trakehnen.

1921: Das Remontenamt Kattenau kommt zum Hauptgestüt Trakehnen hinzu und rundet das Gesamtareal mit zusätzlichen 7.100 Morgen auf fast 24.000 Morgen ab. Damit hat Trakehnen seine größte Ausdehnung erreicht und optimale Voraussetzungen für Zucht und Aufzucht erlangt.

1921: Bei allem - gemäßigten - Aufschwung kündigen sich dennoch Absatzschwierigkeiten in dem nun vom Reich abgeschnittenen Ostpreußen an. So kommt es bald zu Notverschiffungen, vor Allem nach Russland.

1922: "Siegfried Graf von Lehndorff", Sohn des Oberlandstallmeisters, übernimmt die Leitung Trakehnens (bis 1931).

1922: Die doppelte Elchschaufel wird als Hauptstutbuchbrand, des neu gegliederten Ostpreußischen Züchterverbands, eingeführt.

1923: "Graf Lehndorff" holt "Dampfroß", Brauner, geb. 1916, als Hauptbeschäler nach Trakehnen. Dieser Hengst leistet gemeinsam mit "Tempelhüter" Überragendes in der Zucht.

1923 / 24 / 25: In Pardubitz gibt es große Sieger aus Trakehnen und Ostpreußen: "Landgraf II" (1923 und 1925) und "Herero" (1924).

1925: 106 Reitvereine mit 3.000 Aktiven sind in Ostpreußen registriert und helfen indirekt der Zucht.

1925: Besonders schwere Hengste werden in der Trakehner Rappherde verwendet, so auch "Ararad", geb. 1921 in Trakehnen.

1925: Generalfeldmarschall "von Hindenburg" wird Reichspräsident.

1925: In Hannover wirkt "Feiner Kerl", einer der ganz großen Vererber überhaupt. Nebebn Celle wird auch Osnabrück als Landgestüt eingerichtet.

1925: In Hannover entsteht die Hengstprüfungsanstalt Westercelle.

1926: In Ostpreußen entsteht die Hengstprüfungsanstalt Zwion.

1928 / 29: Weitere Siege von Trakehnern in Pardubitz: "Vogler" (1928) und "Ben Hur" (1929).

1929: Als Folge der großen Weltwirtschaftskrise erfolgt die Auflösung von Gudwallen (die Hengste kommen nach Georgenburg) und Beberbeck (die Zuchtpferde kommen nach Polen). Es herrscht Notstand in der deutschen Pferdzucht.

1931: Eröffnung des Empire State Building am 1. Mai.

1931: Landstallmeister "Dr. Ehlert" übernimmt die Leitung Trakehnens (bis 1944).

1931: Der Trakehner "Morgenglanz" gewinnt das Springderby in Hamburg.

1931: Der Hengst "Pilger", Brauner, geb. 1926 in Trakehnen, v. Luftgott a.d. Herdmütterchen v. Tempelhüter, wird Hauptbeschäler in Trakehnen.

1931: Der Hengst "Kupferhammer", Fuchs,  geb. 1928 in Trakehnen, v. Parsival a.d. Kronhüterin v. Tempelhüter, wird Hauprbeschäler in Trakehnen.

1931: Reitjagden bleiben ein wesentlicher Wertungsfaktor für die Weiterentwicklung Trakehnens.

1932: Die 200-Jahr-Feier Trakehnens und der Preußischen Gestütsverwaltung steht im Mittelpunkt der Züchter- und Reiterwelt. Das Werk "200 Jahre Preußische Gestütsverwaltung" erscheint. Oberlandstallmeister "Gatermann" benutzt das Jubiläum, um gegen die Etatschwierigkeiten anzukämpfen.

1932: Der noch lebende, 28-jährige Hauptbeschäler "Tempelhüter" wird von "Kuebart" modelliert und in Berlin in Bronze gegossen.

1932: Der Trakehner "Remus" siegt in Pardubitz.

1933: Roosevelt wird 32. Präsident der USA.

1933: Der Graditzer Hengst "Alchimist xx" gewinnt das Deutsche Derby.

1933: Der Hengst "Termit", Fuchs, v. Hyperion a.d. Technik v. Tempelhüter, der spätere Vater von "Abglanz", wird in Trakehnen geboren.

1932: Der Hengst "Pythagoras", Brauner, geb. 1927 in Trakehnen, v. Dampfroß a.d. Pechmarie v. Tempelhüter, wird Hauptbeschäler in Trakehnen und gibt das Blut seines Vaters in wertvoller Verbindung zu Tempelhüter in bahnbrechender Weise weiter. Er wird der größte Vererber dieser Zeit.

1934: Der Schimmel "Nanuk", Trakehner Abstammung, gewinnt unter Irmgard von Opel das Deutsche Springderby.

1934: Der Remonteabsatz steigt langsam wieder an (auf 2.533).

1934: Gustav Rau folgt Gatermann im Amt des Preußischen Oberlandstallmeisters.

1934: Ostpreußen gewinnt in Hamburg anlässlich der DLG das Mannschaftsspringen der deutschen Zuchtgebiete.

1934: Die Rennbahn Trakehnens erhält Tribünen für das zweitschwerste Querfeldeinrennen der Welt, das "Von-der-Goltz-Memorial". Es ist seit 1931 über 6200 m führend.

1934: Am 2. August stirbt Generalfelmarschall und Reichspräsident "Paul von Hindenburg" auf seinem Landsitz Gut Neudeck, Ostpreußen und wird im "Denkmal der Schlacht bei Tannenberg" beigesetzt.

1935: Der Ostpreuße "Herold" gewinnt die Pardubitzer Steeplechase zum zweitenmal.

1936: Der Ostpreuße "Dedo" ist bestes Pferd beim Preis der Nationen in New York.

1936: Im Landgestüt Osnabrück sind die Trakehner Hengste "Hagen" und "Semmering" eingesetzt.

1936: Im hannoverschen Zuchtgebiet steht der Celler Landbeschäler "Detektiv" auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn.

1936: Die Olymischen Reiterspiele in Berlin dokumentieren die hohe Qualität des Ostpreußischen Pferdes Trakehner Abstammung. "Nurmi" gewinnt Gold in der Military, "Kronos" gewinnt Gold und "Absinth" Silber im Großen Dressurpreis. "Gimpel" und "Fasan" tragen entscheidend zum Mannschaftsgold in der Military bei.

1937: Aus Polen kommt der Vollblutaraber Hengst "Fetysz ox" als Hauptbeschäler nach Trakehnen.

1937: Von 48 Pferden der Military in Döberitz kommen 35 aus dem ostpreußischen Zuchtgebiet.

1937: Der Graditzer "Abendfrieden xx" gewinnt das Deutsche Derby.

1938: Ostpreußen siegt im Mannschaftsspringen der deutschen Zuchtgebiete in Berlin.

1938: Eine Pferdzählung in Deutschland ergibt einen Bestand von 1,5 Millionen Pferde.

1938: Der Ostpreuße "Fahnenträger" hat nennenswerte Zuchterfolge im Landgestüt Celle.


Dienstag, 18. Dezember 2012

(5) Geschichtlicher Abriss der Pferdezucht (Ostpreußens) - 19. Jahrhundert


Hauptbeschälerstall in Trakehnen


19. Jahrhundert

 

1800: Das Privatgestüt Szirgupönen, Kreis Darkehmen, wird gegründet.

Die Zuchtbestände aus Triesdorf sind in Trakehnen und Neustadt teilweise bodenständig geworden.

1802: Napoleon reorganisiert die durch die Revolution zerstörten Gestütsanstalten in Frankreich.

1804: Der Bär stirbt in Preußen aus (Kreis Ortelsburg).

1806 / 07: Napoleon verwüstet das Land. Mehr als 75.000 Pferde gehen in Ostpreußen verloren. In Mecklenburg raubt der Korse den berühmten Beschäler "Herodot" und in Neustadt den Hengst "Turkmainatty".
Die Zuchtbestände Trakehnens fliehen ins Russische, nach Szawien.
Das Reichspostgeneralat erlischt. Es gibt jetzt 30 verschiedene Territorialposten auf deutschem Boden.

1808: Königin Luise verlässt Memel.

1812 / 13: Preußen erhebt sich gegen Napoleon. Die Zuchtbestände Trakehnens waren mach Ratibor und Troppau (Schlesien) geflohen. Die Provinz Ostpreußen verliert 104.000 Pferde.

1813: Der Mohrenschimmel "Artald" wird zum Leibreitpferd des Königs in Schlesien.

1814:  Der seit 1808 durch "von Below", zu dessen Entlastung als Vorsteher des Hauptgestüts Trakehnen berufene, Landstallmeister "von Burgsdorff" übernimmt die Leitung Trakehnens (bis 1843).

1815: Das Domänenamt Danzkehmen kommt zum Hauptgestüt Trakehnen hinzu.

1815: Es gibt 22 Rossärzte in Preußen. 1864 sind es bereits 62.

1917: König Wilhelm I. von Württemberg legt das Hofgestüt Weil an.

1819: Das Domänenamt Taukenischken kommt zum Hauptgestüt Trakehnen hinzu.

1819: Die Preußische Postverwaltung führt Eilwagen ein. Diese legen beispielsweise die Strecke Berlin-Magdeburg, wofür bislang eine Zeit von zwei Tagen und einer Nacht benötigt wurde, in nur 15 Stunden zurück.

1821: Gründung des landwirtschaftlichen Zentral-Vereins Gumbinnen.

1821: Das Remontedepot Kuckerneese entsteht.

1821: Das königlich-kaiserliche Staatsgestüt Radautz wird in der Bukowina begründet.

1922: Am 10. August findet das erste Vollblut-Rennen Deutschlands in Doberan statt.

1822 / 23: Weitere Remontedepots entstehen in Jurgaitschen (950 Remonten), in Sperling (450 Remonten), in Neuhof (650 Remonten) und in Kattenau (680 Remonten).

1824: Oletzko brennt vollständig ab. Die geretteten Hengste kommen nach Gudwallen.

1824:  Ost- und Westpreußen werden wirtschaftlich vereinigt, jedoch im Jahre 1878 wieder getrennt.

Während der "Burgsdorffschen Ära"  wirken in Trakehnen vorwiegend Araber und Engländer als Hauptbeschäler, in wechselnder Verhältniszahl:
"Blackamoor xx", Rappe, geb.1811 in England, 169 cm Bandmaß, als Hauptbeschäler in Trakehnen von 1819 - 1828.
"Bagdadly ox", Schimmel, geb.1809 in Arabien, 1817 in Konstantinopel angekauft, 159 cm Bandmaß, als Hauptbeschäler in Trakehnen von 1818 - 1835.
"Oglan ox", Goldbrauner, geb. 1809 in Arabien, 149 cm Bandmaß, als Hauptbeschäler in Trakehnen von 1818 - 1824.
"Nedjed ox", Schimmel, geb. 1810 in Arabien, als Hauptbeschäler in Trakehnen von 1826 - 1839.

1828: "Von Simpson" wird neuer Besitzer von Georgenburg und richtet hier eine Privatzucht ein (siehe hierzu den Roman "Die Barrings").

1828: Das Gut Burgsdorfshof kommt zum Hauptgestüt Trakehnen hinzu.

1830 - 1840: Graf Hardegg organisiert das staatliche Gestütswesen in Österreich.

1830: Polen kauft in Ostpreußen erst 1.500 und bald darauf nochmals 2.000 Pferde ein.

1831: In England wir der Vollblüter "Touchstone xx" geboren, welcher auf die Zuchten Deutschlands großen Einfluss nimmt.

1832: Erstmalig findet die Sicherstellung der Remontierung im Inland statt.

1832: Vereinigung von Redefin zum Haupt- und Landgestüt unter dem Großherzog von Mecklenburg.

1832: Der Biber stirbt in Preußen aus (Kreis Elbing).

1832: Harzburg wird Landgestüt.

1834: Einführung von Pferderennen in Celle.

1836: Erste Grand-National-Derbys in Liverpool und erstes Derby in Frankreich.

1838: Neuer Beschälerstall im späteren Landgestüt Landshut (Bayern) in Betrieb.

1839: Erste bekanntgewordene Auktion in Trakehnen  findet statt.

1939: Gründung des rheinischen Landgestüts Wickrath.

1843: In Mecklenburg wird der für Hannover bedeutungsvolle "Norfolk" geboren.

1843: Trakehnen erhält einen Rennstall mit eigener Trainerbahn.

1844: Gründung des landwirtschaftlichen Zentral-Vereins Königsberg.

1844: Einweihung des Landgestüts Ansbach (Bayern).

1844: Das Privatgestüt Walterkehmen wird gegründet.

In England werden zu dieser Zeit bereits 1218 Rennen im Jahr gelaufen.

1847: Landstallmeister "von Schwichow" übernimmt die Leitung Trakehnens (bis 1864). Von 1843 bis 1847 waren zwei Landstallmeister von geringer Bedeutung in Trakehnen tätig.

1847 / 49: In England werden zwei für die Pferdezuchten in Deutschland einflussreiche Vollbluthengste geboren: "Voltigeur xx" (v. Tempelhüter) und "Stockwell xx" (v. Adeptus xx).

1848: Ab diesem Jahr werden alle Pferdezuchtangelegenheiten im Parlament behandelt.

1849: Das staatliche Gestütswesen in Preußen geht vom Obermarstallamt an das preußische Landwirtschaftsministerium über.

1852 - 1862: Der Rennstall Trakehnens gewinnt 29 Staatspreise.

1853: Eröffnung der Ostbahn nach Königsberg.

1853: Landstallmeister "von Schwichow" kauft in England den Hengst "Sahama xx", Rappe, geb. 1850, 173 cm Bandmaß, als Hauptbeschäler in Trakehnen bis 1867.

1854: Auf dem Paradeplatz in Königsberg wird erstmalig Pferdemarkt abgehalten. 400 Pferde wechseln den Besitzer zu einem Durchschnittspreis von 100 Thalern. Im darauffolgenden Jahr sind es bereits 800 Pferde und 1857 zeigt der Verkauf von 4.000 Eintrittskarten das große Interesse an diesem Markt.

1855: Der Herzog von Genua kauft für eine horrende Summe ein ganzes Gestüt in Ostpreußen auf.

1856 - 1873:  In diesem Zeitraum wirkt der Hengst "Inspector x", Rappe, geb. 1853 in Trakehnen, 176 cm Bandmaß, als Hauptbeschäler in Trakehnen.

1856 - 1860: Oberstallmeister "von Willisen" amtiert als Chef der preußischen Gestütsverwaltung.

1858: Es findet das erste Rennen in Baden-Baden statt.

1858: Gründung der ersten landwirtschaftlichen Hochschule Preußens in Königsberg.

1858: Der deutsche Maler Lovis Corinth wird am 21. Juli in Tapiau / Ostpreußen geboren, † 17. Juli 1925 in Zandvoort, Niederlande.

1859 - 1872:  In dieser Zeit wirkt der auf Nedjed ox ingezogene Hengst "Collino" als Hauptbeschäler in Trakehnen. Er ist einer der großen Vereber aus der Schwichowschen Ära.

Während der Amtszeit des Landstallmeisters "von Schwichow" etablierte sich folgende Devise: "Zu viel Adel - zu fein, zu viel Masse - zu gemein." Diese Regel macht die Probleme deutlich, die eine Stabilisierung edler Pferderassen erschweren.

1859: Eine besondere Kommision bestimmt ab diesem Zeitpunkt die jungen Hengste aus Trakehnen für die Aufstellung in den einzelnen Landgestüten. Zu dieser Kommission gehörte auch der Remonteinspekteur.

1859: Der oberländische Kanal ist fertiggestellt. Schiffe fahren jetzt "über Land".

1959: Der zuchtprägende Rapphengst "Vorwärts" v. Sahama xx a.d. Vecordia (auch Mutter des Venerato) wird in Trakehnen geboren. Er beginnt 1865 seine Laufbahn als Hauptbeschäler in Trakehnen, während der er auch den Stempelhengst "Flügel" zeugt. 1876 beendet der frühe Tod die Karriere des erst siebzehnjährigen Vererbers.

1860: Ab diesem Jahr findet der künstliche Dünger, eine Erfindung des Chemikers Justus von Liebig, in der Landwirtschaft verbreitet Verwendung. Dadurch werden auch die Bemühungen in Trakehnen, eine Verstärkung auch mit Hilfe besserer Fütterung zu erreichen, wesentlich unterstützt.

1860: Der Rapphengst "Venerato", geb. 1852 in Trakehnen, wird als Hauptbeschäler für Trakehnen eingesetzt.

1860: Die Ostbahn ist nun erweitert bis an die Grenzstation Eydtkuhnen, Kreis Stallupöhnen.

1864: Landstallmeister "von Dassel" beginnt seine Tätigkeit als Leiter in Trakehnen (bis 1888). Er festigt und baut aus, was sein Vorgänger schuf.

1864: Der Celler Landstallmeister "Friedrich von Spörcken" kauft in England den Vollbluthengst "Saunterer xx" für 17.059 Thaler.

1864:  Der königlich- und kaiserliche Oberst und Kämmerer "von Nadosy" bereist Trakehnen und berichtet kritisch über seinen Besuch.

1866: Das Königreich Hannover wird preußisch.

1866 - 1869: Freiherr "von Maltzahn" amtiert als preußischer Oberlandstallmeister, um die preußische Gestütsverwaltung zu reorganisieren.

1867: Käthe Kollwitz wird in Königsburg geboren.

1867: Preußen wird wichtigstes Postland. Es übernimmt sämtliche Postrechte aller Staaten der Thurn-und-Taxisschen Postmonopole gegen 3 Millionen Thaler in bar.

1868: Erstes Österreichisches Derby in der Wiener Freudenau findet statt.

1869: Erstes Deutsches Derby in Hamburg.

1869: Der Luchs stirbt in Preußen aus (Kreis Angerburg).

1869: Die 56 Vollblutstuten aus Trakehnen und Neustadt werden abgegeben nach Graditz.

1869: Das Vollblutgestüt Schlenderhahn bei Köln entsteht.

1869: Der spätere Stammhengst "Odoardo" wird im Hauptgestüt Graditz geboren.

1869: Das ostpreußische Pferd Trakehner Abstammung wird international als bestes Soldatenpferd bezeichnet.

1870: Die zweite Deutsche Reichspost wird begründet.

1870: König Wilhelm I. von Preußen wird deutscher Kaiser.

1870: General "von Lüderitz" leitet die Preußische Gestütsverwaltung (bis 1887).

1873 - 1887: Einer der typsichersten Vererber aller Zeiten wirkt als Hauptbeschäler in Trakehnen: Der Hengst "Flügel".

1874: Ostpreußens Pferde erregen Aufsehen bei der internationalen Ausstellung in Bremen.

1874: "Chamant xx", einer der besten Vollbluthengste im Reich, wird im Hauptgestüt Graditz geboren.

1875: Erste Pardubitzer Steeplechase-Rennen. 

1875 - 1891: Einer der besten Vollbluthengste wirkt in diesem Zeitraum als Hauptbeschäler in Trakehnen: "Marsworth xx". Er liefert 77 Beschäler.

1876 - 1888: Der Hengst "Malteser", Brauner, geb. 1872 in Trakehnen, wirkt als Hauptbeschäler.

1877: Der Vollblüter "Fripponier xx", geb 1864 in England, beginnt in Trakehnen seine Tätigkeit als Hauptbeschäler.

1877: Das Landgestüt Rastenburg wird gegründet und übernimmt den Beschälermarstall Trakehnens.

1877: Der erste Band des Trakehner Stutbuchs mit mehr als 1.200 Druckseiten erscheint.

1878: Erstes Derby in Amerika (Kentucky).

1879: Erfindung der Glühbirne.

1879: Westpreußen erhält seine erste Körordnung.

1879: "Graf Georg von Lehndorff" wird Preußischer Oberlandstallmeister.

1879: Reinhold Kuebart wird in Uszballen, Kreis Pillkallen, geboren. Er ist der Schöpfer der großen Bronzeskulpturen von Morgenstrahl, Tempelhüter und Antwort xx.

1880:  Die Landbeschäler in Ostpreußen bringen je Hengst einen Überschuss von 37 Mark, während sich im übrigen Reich ein Defizit von 400 Mark ergibt.

1883: Richard Wagner stirbt.

1884: Die Druckschrift: "Ein Besuch in Trakehnen" wird in Stuttgart herausgegeben.

1884: König Karl I. von Württemberg besucht Trakehnen.

1885: Eine Zählung in Ostpreußen weist einen Bestand von 530.000 Pferden aus.

1885: Der Benzin-Kraftwagen wird erfunden.

1887: Ostpreußen erhält seine erste Körordnung.

1887: Erste Ausstellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft DLG).

1888: Landstallmeister "von Frankenberg" übernimmt als Nachfolger des Landstallmeisters "von Dassel" die Leitung in Trakehnen (bis 1895).

1888: Kaiser Wilhelm I. stirbt. Sein Sohn Friedrich regiert nur 100 Tage. Wilhelm II. übernimmt daraufhin die Krone.

1888: Die Ostpreußische Stutbuchgesellschaft für Warmblut Trakehner Abstammung wird in Königsberg gegründet.

1889: Der Eiffelturm in Paris wird eingeweiht, ein Zeugnis für den Beginn des Zeitalters der Technik.

1890: Das erste Ostpreußische Stutbuch erscheint.

1890:  Es findet die erste allgemeine deutsche Pferdeausstellung in Berlin, mit 1.500 Pferden auf dem Gelände am Bahnhof Zoo, statt.

1891: Das Landgestüt Braunsberg wird gegründet.

1891: Helmuth von Moltke stirbt.

1895: Burchard von Oettingen übernimmt die Leitung Trakehnens (bis 1912).

1896: Der Hengst "Morgenstrahl", Fuchs, 174 cm Bandmaß, wird in Trakehnen geboren und wirkt ab 1900 als Hauptbeschäler in Trakehnen.

1897: Gründung der ersten Reitervereine in Ostpreußen:  1897 in Osterode, 1898 in Rastenburg und 1899 in Lyck.

1899:  Die Preußische Gestütsverwaltung kauft Georgenburg von der Familie "von Simpson". Das Zuchtgestüt wird in Zwion vereinigt und das Landgestüt Interburg nach Georgenburg verlegt. Somit stehen jetzt 5 Hauptgestüte, 16 Landgestüte und etwa 15 Remotendepots unter der Obhut des preußischen Staates.

1899: Reichskanzler Otto von Bismarck stirbt in Friedrichsruh.

1899: Zur Entlastung des Landgestüts Marienwerder wird das Landgestüt Preußisch Stargard eingerichtet, jedoch nach dem Ersten Weltkrieg zusammen mit dem Landgestüt Gnesen an Polen abgetreten.




Freitag, 14. Dezember 2012

(4) Geschichtlicher Abriss der Pferdezucht (Ostpreußens) - 18. Jahrhundert

Hauptbeschälerstall in Trakehnen

















18. Jahrhundert

 

1701: Krönung Friedrichs I. zum König von Preußen in Königsberg. 1.000 Marstallpferde und 30.000 Pferde für Vorspanndienste bringen die Majestäten mit ihrem Gefolge von Charlottenburg nach Königsberg.

1702: Der zweite Begründer der englischen Vollblutzucht  "Darley Arabian" wird in der Wüste geboren.

1708-1710: Die Pest rafft mehr als 200.000 Menschen in Ostpreußen dahin.

1712: Für die Urbarmachung des "Trakehner Beckens" legt Oberingeneur John Collas der Domänen-Kommission erste Pläne vor.

1713: Friedrich Wilhelm I. erläßt am 3. April ein Edikt zur Verbesserung der Pferdezucht.

1714: Das französische Staatsgestüt Le Pin in der Normandie ist fertiggestellt.

1715: In Mecklenburg wird Redefin als Stuterey erwähnt.

1722: Kurfürst Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke) gründet das Hauptgestüt Graditz, bei Torgau an der Elbe.

1724: Landgraf Karl I. von Hessen erhebt Beberbeck bei Hofgeismar, Bezirk Kassel, vereint mit Sababurg zum Hofgestüt.

1724: "Godolphin Arabian", der dritte der drei Vollblutstammväter, wird geboren.

1724: Immanuel Kant wird im Memelland geboren.

1724: Stadtrechte an Gumbinnen.

1725: Stadtrechte an Pillkallen.

1726-1732: 600 Soldaten aus Memel arbeiten sechs Jahre lang an der Rodung und Entwässerung des Sumpfgebietes im Raum Trakehnen und bauen den Pissa-Kanal.

1730-1740: In Russland legt Zarin Anna 40 Militätgestüte an.

1731:  König Friedrich Wilhelm I. lässt am 11. Juli 1731 den Befehl ergehen, alle Pferdebestände Ostpreußens in einem einzigen großen Gestüt, einem Hauptgestüt, zusammenzufassen.

1732: Das "Königliche Stutamt Trakehnen" wird durch Friedrich Wilhelm I. begründet und mit 1.101 Pferden, darunter 513 Mutterstuten, als Hofgestüt belegt.

1733: In Sachsen richtet Kurfürst Friedrich August II. einen großen Stallkomplex in Moritzburg ein (ab 1828 Landgestüt).

1735: "Zum Besten des Landes" beginnt das hannoversche Landgestüt Celle durch Gründung König Georgs II. seine Tätigkeit.

1735: Als erster namhafter Hauptbeschäler in Trakehnen wird "Persianer" genannt. Er wirkt bis 1747.

1739: Friedrich II. erhält Trakehnen von seinem Vater geschenkt. Er hat jedoch wenig Interesse an dem Gestüt und an der Pferdzucht schlechthin und vernachlässigt das Gestütswesen.

1740: Friedrich Wilhelm I. stirbt. (* 14. August 1688 in Berlin; † 31. Mai 1740 in Potsdam)

1745: In Frankreich beginnt das Hauptgestüt Pompadour auf arabisch-englischer Basis seinen Zuchtbetrieb.

1746: Landstallmeister "von Domhardt" wird mit der Oberleitung Trakehnens betraut (bis 1780).

Um die Mitte des Jahrhunderts stellen Trakehner Pferde einen neuen Reiserekord auf. Sie unterbieten die Standardzeiten auf der Strecke Berlin-Königsberg um 24 Stunden.

1752: Eine Folge von 32 Kupferblättern über Pferderassen von Johann Elias Ridinger erscheint in Augsburg.

1755: In der Pfalz entsteht das Landgestüt Zweibrücken unter Herzog Christian IV.

1755: Der Auerochse stirbt in Preußen aus (Kreis Wehlau).

1756-1763: Siebenjähriger Krieg.

1764: In England wird während einer Sonnenfinsternis der große Stammhalter des Vollbluts, "Eclipse", geboren.

1764-1780: Der Hengst "Spinola" wirkt als Hauptbeschäler in Trakehnen. Seine Nachkommen werden international begehrt und füllen die Privatschatulle Friedrichs (II.) des Großen.

1768: Fürst Wilhelm V. begründet das Landgestüt Dillenburg in Hessen.

1779: Gegen den Willen des Königs erfolgt eine erste Aufstellung von 11 Landbeschälern, welche 174 Stuten decken.

An namhaften Privatgestüten bestehen in Ostpreußen zu dieser Zeit: Georgenburg, Cassuben, Waldaukadel, Szirgupönen, Löbzallen, Schreitlaugken, Stammaitschen, Königsfelde, Ragnit und Göritten.

1777: Marienwerder erhält ein Landgestüt.

1780: Erstes Derby in England (Epsom) findet statt.

1785: In Ungarn wird das Zuchtgestüt Mezöhegyes begründet.

1786: Friedrich (II.) der Große stirbt. Trakehnen wird mangels Testaments Staatseigentum. Friedrich Wilhelm II. besteigt den preußischen Thron und beauftragt Graf Lindenau mit der Reorganisation des Gestütswesens.

1786: Landstallmeister "von Brauchitsch" übernimmt die Leitung Trakehnens (bis 1789).

1786: Als Oberforstmeister Jester 1785 zur Hege der Elche aufgerufen hatte, verfügt der König im Jahr darauf eine sechsjährige Schonzeit.

1787: Als Brandzeichen für Trakehner Pferde wird eine halbe Elchschaufel auf dem rechten Hinterschenkel eingeführt.

1787: Der König verfügt Landbeschälung auf eigene Kosten. 269 Hengste decken 6041 Stuten "Zum Besten des Landes".

1788: In Neustadt an der Dosse entsteht das Friedrich-Wilhelm-Gestüt.

Die Revision Trakehnens durch Graf Lindenau ist abgeschlossen. Zahlreiche Beschäler und Mutterstuten werden wegen mangelnder Qualität ausrangiert.

1789: Landstallmeister "von Below" übernimmt die Leitung Trakehnens und wird Landstallmeister von Lithauen (bis 1814).

1789: Dem Friedrich-Wilhelm-Gestüt in Neustadt wird das Landgestüt Lindenau angegliedert.

1789: Die vier Hengstdepots (Marställe) des in Trakehnen zusammengefassten "Lithauischen Landgestüts" sind in Trakehnen, Ragnit, Insterburg und Oletzko etabliert. Der Etat beträgt 250 Beschäler.

1790: Eine durchgeführte Pferdezählung ergibt für Preußen einen Bestand von  530.000 Pferden.

1790: Als bayrisches Hofgestüt wird Rohrenfeld in Betrieb genommen.

1791-1805: Der 1784 geborene "Turkmainatty" wirkt als Hauptbeschäler im Friedrich-Wilhelm-Gestüt in Neustadt und deckt auch Trakehner Stuten.

1792: Erste Steeplechase-Rennen (12875 m) in Leicester.

1792: Stallmeister Koch führt im Landgestüt Celle eine Witwenkasse ein.

1793: Erstes General Stud Book.

1794: Die Stammmutter des späteren Hauptbeschälers Tempelhüter, "Lady Nelson", wird in England geboren.

1796: Der spätere Feldmarschall "von Wrangel" beginnt mit 12 Jahren seinen Dienst bei den Dragonern in Wehlau.

1797: Kaiser Joseph I. begründet das Zuchtgestüt Babolna in Ungarn.

1798: 45 km westlich von Graz ist das Staatsgestüt Piber fertiggestellt.